Wie man kein e-Bike verkauft – Martina Beckmann
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Wie man kein e-Bike verkauft

Wie man kein e-Bike verkauft

Quelle: Pixabay.com bicycles-737190_1920.jpg

Uns geht es wie den meisten Menschen in diesen Tagen, der Urlaub verläuft anders. Die Freizeitgestaltung mit Freunden kann nicht wie gewohnt stattfinden und so machen wir es uns innerhalb und außerhalb der eigenen vier Wände mit Aktivitäten zu zweit gemütlich. Dazu gehören kleine Ausflüge in die Umgebung.

Wer uns kennt, weiß, dass wir seit zwei Jahren leidenschaftliche Klapprad-Fahrer sind. Diese laden wir ins Auto oder ins Wohnmobil und erweitern damit unseren Radius und Horizont. Seit ein paar Monaten verstärkte sich unser Wunsch, auch größere Touren mit dem Rad machen zu können und wir, die wir niiieee e-Bikes wollten, weil Fahrradfahren ja Sport sein soll, sind nun auf der Suche nach den richtigen Modellen für uns. Was wir erlebten, taugt für einen Blogartikel. 

Ein Bike für mich ist leicht zu finden, aber mein Partner Hermann, der einiges an Größe, Gewicht und Gepäck zu bieten hat, passt eben nicht auf jedes beliebige Rad.

Erstes Geschäft: „Guten Tag, haben Sie auch e-Bikes mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 170 kg?“ – „Nein, ist nichts mehr da, da müssen Sie nächstes Jahr wiederkommen.“

Da hätten wir eigentlich den Laden direkt wieder verlassen sollen. Ich bat dann noch um Ideen für ein Bike für mich. „Also in Ihrer Rahmengröße haben wir noch …“ Ich fuhr ein paar Bikes zur Probe, der Verkäufer erklärte noch ein paar Dinge, die nicht gingen und wir verließen den Laden endgültig. Verschenkte Zeit.

Zweites Geschäft: „Guten Tag, haben Sie auch e-Bikes mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 170 kg?“ – „Nä. Da hättense eher kommen müssen.“ Na bravo.  „Wir brauchen das Bike nicht sofort und warten auch gern bis nächstes Jahr. Was gibt es denn dann?“ – „Die Kataloge sind noch nicht da. Es gibt von der … und der … Marke welche, aber das dauert.“ Wir verließen den Laden.

So ging es in den nächsten vier Geschäften weiter. Ich stellte Fragen, die mit mehr oder weniger Sachverstand beantwortet wurden, aber wir hatten in allen Läden das Gefühl, dass sich die Verkäufer nicht wirklich für uns und unser Anliegen interessierten. 

Wir fragten uns ernsthaft, ob die alle keinen Umsatz mehr nötig haben. Als Vertriebstrainerin dreht sich mir bei einem solchen Verhalten der Magen um. Aber auch hier haben wir ein kleines gallisches Dorf gefunden, das uns in einer großen Servicewüste einen grandiosen Besuch bescherte:

Letztes Geschäft: In einem von diesen großen Fahrrad-Tempeln in C-Lage, wo ich gar keine oder nur wenig Beratung erwartet hätte, kam ein sehr junger Mann auf uns zu: „Kann ich Ihnen helfen?“ – „Ja, gern. Wir suchen zwei e-Bikes, eines muss ein zulässiges Gesamtgewicht von 170kg haben. Wir haben da vorne diese tollen holländischen Transportbikes gesehen, was ist denn mit denen?“

Und dann kam mein persönliches Highlight: „Wofür wollen Sie die Bikes denn nutzen? Fahren Sie mehr in der Stadt oder auch mal über den Berg nach Iburg rüber? Wie ist es mit unbefestigten Wegen?“ – „Nee, schon auch mal über den Berg! Und wir fahren auch auf Feldwegen.“

Dann klärte er uns darüber auf, was wir benötigen, wenn wir mit den 170kg auch mal über den Berg wollen. Was der Motor mit den Newtonmetern zu tun hat. Was das für den Akku und das Gewicht heißt, was der Rahmen aushalten muss und wie wir Stabilität und lange Haltbarkeit erreichen. Die holländischen Transportbikes hätten für uns überhaupt nicht funktioniert.

Der junge Mann brannte für seine Fahrräder und es war ihm ein persönliches Anliegen, jedem Kunden das für ihn wirklich passende Bike zu verkaufen. Er nahm sich Zeit, gab uns Räder zum Probe fahren, ohne dass wir fragen mussten, liess Hermann auch Räder fahren, die er zwar jetzt nicht in der passenden Größe da hatte, die aber in den nächsten Monaten wieder lieferbar sein würden. 

Wir haben noch keine Bikes gekauft. Aber die Beratung war absolut phantastisch. Er hat uns Fragen gestellt, uns zugehört. Uns sinnvolle Informationen gegeben, war begeistert von seinen eigenen Produkten und übertrug diese Begeisterung auf uns. Er hat versucht, unsere Herausforderungen zu verstehen und gemeinsam mit uns nach der besten Lösung gesucht.

Vertrieb ist so einfach. Welche Fragen stellen Sie Ihren Kunden heute?

Ihre Martina Beckmann

3 Comments
  • Kora Klapp
    Posted at 21:09h, 27 September Antworten

    Ein guter Verkäufer ist wie ein Coach: Interesse am Kunden, dem man im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen und ihn glücklich rausgehen sehen will. Kompetenz und Begeisterung strahlen aus.

  • Kerstin Meyer-Leive
    Posted at 22:21h, 27 September Antworten

    Wie hieß der letzte Laden 😉 ?

    • martina
      Posted at 11:20h, 28 September Antworten

      Lucky Bike…

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